Ihre SEOs liefern Reports, aber keine Vorschläge? Was proaktive Zusammenarbeit ausmacht

Patrick Stolp
Patrick Stolp30. August 2026

Zuletzt aktualisiert:

Was erwartest du von den Personen, die für die SEO deiner Website verantwortlich sind, wenn sie dir jeden Monat einen Report schicken?

Bei der Auswertung langer und konversationeller Suchanfragen ist mir hierzu in der Google Search Console eine konkrete Frage aufgefallen. Die suchende Person erhielt von den für ihre Website verantwortlichen SEOs jeden Monat einen Report, vermisste darin allerdings konkrete Vorschläge und neue Ideen. Dabei spielt es für das eigentliche Problem keine Rolle, ob diese Personen intern im Unternehmen arbeiten, als Freelancer beauftragt wurden oder zu einem externen Team gehören. Entscheidend ist in allen drei Fällen, was die verantwortlichen SEOs aus den vorhandenen Daten und ihrer laufenden Arbeit ableiten.

Aus vielen Projekten kenne ich Reports, in denen Rankings, Klicks, umgesetzte Arbeiten und womöglich einige Wettbewerbswerte sauber dokumentiert werden. Damit lässt sich nachvollziehen, was in den vergangenen Wochen geschehen ist. Noch unbeantwortet bleibt jedoch, welche Bedeutung diese Entwicklung für die weitere Arbeit besitzt. Wer die SEO verantwortet, sollte daher zusätzlich erklären, ob eine Maßnahme fortgesetzt, verändert, beendet oder zunächst weiter beobachtet werden sollte. Fehlt diese Einordnung dauerhaft, kann ein Report rechnerisch richtig sein, ohne die nächste Entscheidung vorzubereiten.

Müssen die verantwortlichen SEOs deshalb in jedem Monat eine neue Idee präsentieren? Das würde die falsche Erwartung erzeugen. Wurde eine größere Maßnahme erst vor wenigen Wochen umgesetzt, kann die fachlich richtige Empfehlung darin bestehen, deren weitere Entwicklung abzuwarten. In einem solchen Monat zeigt sich proaktive Arbeit daran, dass die verantwortlichen Personen den benötigten Beobachtungszeitraum erklären und bereits festlegen, welche Daten später über den nächsten Schritt entscheiden.

Wie eine solche Arbeitsweise praktisch aussehen kann, zeigen zwei Fälle aus meiner eigenen SEO-Arbeit. Aus Gründen der Vertraulichkeit habe ich die Branchen, Seitenthemen, Zeitpunkte und Zahlen verallgemeinert. Unverändert geblieben sind der ursprüngliche Auftrag, meine zusätzlichen Überlegungen und die Entscheidungen, die anschließend auf Kundenseite getroffen wurden.

Ein SEO-Report erklärt noch nicht die nächste Entscheidung

Ein gutes SEO-Reporting verbindet Messwerte mit Maßnahmen, Veränderungen und dem geschäftlichen Ziel. Hierzu gehört ebenfalls die Erklärung, welche Zusammenhänge durch die Daten belegt sind und wo lediglich eine plausible Vermutung möglich ist. Aus dieser Einordnung sollte anschließend hervorgehen, was die verantwortlichen SEOs als nächsten Schritt empfehlen oder weshalb sie vorerst keine weitere Änderung vornehmen wollen.

Steigen beispielsweise die Klicks eines bearbeiteten Bereichs, kann daraus eine Empfehlung für dessen Ausbau entstehen. Wurde eine neue Seite erst vor wenigen Wochen veröffentlicht, reicht die Datenlage womöglich noch nicht für eine solche Entscheidung. Und verliert ein allgemeiner Ratgeber an Sichtbarkeit, während spezifische Produkt- und Anwendungsseiten wachsen, sollte geprüft werden, ob der bisherige Content-Plan noch zur Nachfrage passt.

In diesen Beispielen liefert der Report jeweils den Ausgangspunkt für die weitere Überlegung. Seine Zahlen werden für die Zusammenarbeit allerdings erst dann hilfreich, wenn sie mit dem Projektverlauf verbunden werden. Hierbei müssen die verantwortlichen SEOs erklären, welche Seiten verändert wurden, wie viel Zeit seit der Umsetzung vergangen ist und ob andere Entwicklungen das Ergebnis beeinflusst haben könnten. Auf dieser Grundlage lässt sich schließlich entscheiden, ob gehandelt, gewartet oder eine bisherige Annahme korrigiert werden sollte.

Von proaktiver SEO-Arbeit spreche ich deshalb, wenn die verantwortlichen SEOs eine relevante Entscheidung vorbereiten, bevor das Unternehmen ausdrücklich danach fragen muss.

Wie verantwortliche SEOs aus einer Beobachtung einen Vorschlag entwickeln

Erhalte ich einen Link zu einem Google-Update, eine Beschreibung einer neuen KI-Funktion oder den Hinweis auf eine neue Seite eines Wettbewerbers, weiß ich zunächst nur, dass sich im Suchumfeld etwas verändert hat. Aus dieser Information geht allerdings noch nicht hervor, ob die eigene Website überhaupt betroffen ist. Ebenso bleibt offen, ob daraus eine konkrete Aufgabe entsteht oder ob die weitere Entwicklung vorerst nur beobachtet werden sollte.

Genau diese Einordnung erwarte ich von den verantwortlichen SEOs. Sie sollten die neue Entwicklung mit den Suchanfragen, Seiten, bisherigen Maßnahmen und Geschäftszielen des Unternehmens abgleichen. Erst nach diesem Abgleich lässt sich erklären, ob am bestehenden Plan etwas geändert werden sollte, welche Änderung sinnvoll wäre und welche Daten später für die Bewertung benötigt werden.

  • Ausgangslage verstehen: Welche Arbeiten sind beauftragt, welche Ziele wurden vereinbart und welche Entscheidungen wurden bereits getroffen?
  • Veränderung prüfen: Betrifft die neue Entwicklung tatsächlich die Website, deren Suchanfragen oder den vorhandenen Content?
  • Kundenbezug herstellen: Welche Daten, Seiten oder wiederkehrenden Fragen zeigen, dass Handlungsbedarf bestehen könnte?
  • Vorschlag vorbereiten: Was sollte konkret untersucht oder umgesetzt werden, welcher Aufwand entsteht und welche Informationen fehlen noch?
  • Entscheidung ermöglichen: Was spricht für die Maßnahme, was dagegen und wann lässt sich ihre Wirkung sinnvoll bewerten?

Anhand dieser Fragen lässt sich eine ausgearbeitete Empfehlung von einer bloßen Ideenliste unterscheiden. Natürlich müssen externe SEO-Verantwortliche kein vollständiges Konzept kostenlos erstellen, bevor sie ein zusätzliches Angebot unterbreiten. Vor dem Angebot sollten sie allerdings so weit geprüft haben, dass sie den konkreten Bezug zum Unternehmen erklären können. Dazu gehört auch eine erste Aussage darüber, welches Problem gelöst werden soll und welche Informationen für die weitere Planung noch fehlen.

Zum laufenden Auftrag gehört die Prüfung neuer Entwicklungen

Was bedeutet eine solche Prüfung für einen laufenden Auftrag? Bei einer monatlichen Zusammenarbeit bezahlst du nicht allein dafür, dass bereits bekannte Aufgaben umgesetzt und anschließend im Report aufgeführt werden. Zur Arbeit gehört ebenso, Veränderungen im Suchumfeld zu beobachten und zu prüfen, ob der bisherige Plan weiterhin zu den Zielen der Website passt. Du bezahlst in einem laufenden SEO-Auftrag also auch für dieses Monitoring.

Der Umfang einer solchen Prüfung lässt sich allerdings nicht immer vorab bestimmen. Zu Beginn kann offen sein, ob die Analyse den bisherigen Kurs bestätigt, ob daraus Arbeiten innerhalb des laufenden Auftrags entstehen oder ob ein separates Projekt sinnvoll wird. Für die verantwortlichen SEOs bedeutet dies, zunächst Zeit einzusetzen, obwohl eine zusätzliche Vergütung keineswegs sicher ist.

Ein laufender Auftrag ist selbstverständlich kein Freibrief, umfangreiche Konzepte ohne Absprache abzurechnen. Gute Beratung endet jedoch auch nicht dort, wo der Umfang des nächsten bezahlten Arbeitspakets noch unklar ist. Entsteht ein begründeter Verdacht, müssen verantwortliche SEOs diesen zunächst weit genug prüfen, damit der Kunde anschließend über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Praxisfall: Eine Veränderung im Suchumfeld betrifft den Content-Plan

Im ersten Fall arbeitete ich bereits länger für ein B2B-Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Produkten. Für dessen Website war ein umfangreicher Content-Plan mit mehreren Dutzend Seiten entstanden. Dieser Plan umfasste sowohl Produkt- und Leistungsseiten als auch zahlreiche Ratgeber, die typische Fragen potentieller Kunden beantworten sollten.

Als sich die Darstellung der Google-Suchergebnisse weiter veränderte und Google neue Hinweise zu KI-gestützten Suchfunktionen veröffentlichte, wollte ich wissen, ob der bestehende Plan noch unverändert umgesetzt werden sollte. Eine allgemeine Zusammenfassung dieser Entwicklung hätte dem Kunden bei dieser Frage kaum geholfen. Um den Bezug zur eigenen Website herzustellen, verglich ich daher die Search-Console-Daten der allgemeinen Wissensseiten mit den Daten konkreter Produkt-, Anwendungs- und Leistungsseiten.

Bei diesem Vergleich verloren Seiten mit allgemeinem Erklärwissen deutlich an Klicks, während sich Seiten zu konkreten Produkten, Anwendungen und eigenen Verfahren wesentlich stabiler entwickelten. Aus den Daten ließ sich nicht ableiten, dass eine einzelne KI-Funktion für diesen Unterschied verantwortlich war. Die unterschiedliche Entwicklung der Seitengruppen stellte allerdings die bisherige Gewichtung des Content-Plans infrage. Bevor weitere Ratgeber produziert wurden, prüfte ich deshalb jede geplante Seite noch einmal einzeln.

Für diese Prüfung entwickelte ich ein Regelwerk, das zwischen austauschbarem Erklärwissen und Informationen aus der tatsächlichen Arbeit des Unternehmens unterschied. Die geplanten Produkt- und Leistungsseiten erfüllten diese Anforderungen bereits weitgehend und konnten daher bestehen bleiben. Bei einem Teil der Ratgeber fehlten hingegen konkrete Erfahrungen, eigene Messwerte oder die Gründe, aus denen sich Kunden in realen Projekten für eine bestimmte Lösung entschieden hatten. Einige dieser Seiten blieben trotzdem wichtig, weil sie konkrete Entscheidungsfragen potentieller Kunden behandelten. Vor ihrer Erstellung musste allerdings das Wissen der zuständigen Mitarbeiter eingebunden werden.

Vor der Anfrage war die Arbeitsgrundlage bereits vorbereitet

Mit der Mail an den Kunden gingen daher bereits drei Vorarbeiten einher:

  1. ein internes Regelwerk für die weitere Content-Produktion,
  2. die Prüfung des vorhandenen Seitenplans mit konkreten Prioritäten und
  3. ein Gesprächsleitfaden, mit dem sich das Erfahrungswissen der Mitarbeiter strukturiert erfassen ließ.

Benötigt wurden unter anderem echte Projektentscheidungen, Messwerte, typische Fehler, Erfahrungen aus dem Service und die Kriterien, nach denen eine bestimmte Lösung ausgewählt wird. Derartige Informationen lassen sich weder aus einem Keyword-Tool noch aus öffentlich zugänglichen Konkurrenztexten ableiten. Sie mussten von den Menschen kommen, die täglich mit den Produkten und Kundenfragen arbeiten.

Dem Unternehmen bot ich an, diese Informationen über einen Fragebogen oder mehrere strukturierte Gespräche zu sammeln. Auf diese Weise war bereits klar, welche Seiten betroffen waren, welches Wissen fehlte und wie es beschafft werden konnte. Der Kunde fragte anschließend nach einer Kostenschätzung für die Umsetzung.

Für dieses Unternehmen bestand zu diesem Zeitpunkt bereits ein laufender SEO-Auftrag. Ich hätte den vereinbarten Content-Plan weiterbearbeiten und die monatlichen Leistungen abrechnen können, ohne die Auswirkungen der veränderten Suche auf sämtliche geplanten Seiten erneut zu untersuchen. Wirtschaftlich wäre dies zunächst einfacher gewesen, denn die zusätzliche Analyse verursachte auf meiner Seite einen Aufwand, der vorher nicht eingeplant war.

Ob sich daraus ein weiterer bezahlter Auftrag ergeben würde, wusste ich zu Beginn der Analyse nicht. Die Prüfung hätte auch ergeben können, dass der bisherige Plan unverändert fortgeführt werden kann. Zudem war vorab offen, ob notwendige Anpassungen noch zum laufenden Auftrag gehören oder ein separates Angebot rechtfertigen würden. Für mich gehört genau diese Unsicherheit zur SEO-Beratung: Der Kunde bezahlt im monatlichen Auftrag ebenfalls dafür, dass ich Entwicklungen beobachte und prüfe, ob sich daraus für seine Website eine konkrete Konsequenz ergibt.

Die proaktive Arbeit bestand in diesem Fall also nicht darin, dem Kunden eine Nachricht über die aktuellen Veränderungen bei Google weiterzuleiten. Zunächst wurde geprüft, ob sich diese Veränderungen in den Daten der eigenen Website wiederfinden und welche geplanten Seiten hiervon betroffen sein könnten. Anschließend lag bereits ein Verfahren vor, mit dem sich die fehlenden Informationen aus dem Unternehmen beschaffen ließen. Ohne diesen Abgleich und die vorbereitete Arbeitsweise hätte die Mail lediglich einen allgemeinen Trend beschrieben.

Praxisfall: Ein technischer Auftrag zeigt eine größere Content-Lücke

Im zweiten Fall war die Ausgangslage wesentlich enger gefasst. Der Auftrag beschränkte sich auf die technische und inhaltliche Optimierung eines abgegrenzten Themenbereichs auf einer größeren B2B-Website. Da dieser Bereich zuvor migriert worden war, mussten unter anderem URLs, Weiterleitungen, interne Links und verbliebene Verweise auf die alte Domain geprüft werden.

Während dieser Analyse wurde sichtbar, dass technische Korrekturen allein das eigentliche Problem des Bereichs nicht vollständig lösen würden. Die vorhandenen Seiten behandelten einzelne Aspekte, bildeten allerdings keinen nachvollziehbaren Weg von einer ersten fachlichen Frage bis zur konkreten Leistungsanfrage. Mehrere Suchintentionen liefen auf denselben Seiten zusammen, während für andere Fragen keine passende Zielseite vorhanden war.

Die Planung eines vollständigen Themenbereichs gehörte allerdings nicht zum ursprünglichen Auftrag. Statt diese zusätzliche Arbeit stillschweigend in die beauftragte Optimierung einzubeziehen, habe ich sie daher als möglichen Folgeauftrag behandelt. Auf Grundlage historischer Search-Console-Daten, der vorhandenen Inhalte und relevanter Suchfragen entstand zunächst eine sogenannte Topical Map. Hierbei handelt es sich um eine geplante Themenarchitektur, in der festgelegt wird, welche eigenständigen Seiten für die verschiedenen Fragen benötigt werden und über welche inhaltlichen Verbindungen Nutzer von einer ersten Information bis zu einer konkreten Leistungsanfrage gelangen können.

Mit der vollständigen Topical Map ließ sich beschreiben, wie der Themenbereich langfristig aufgebaut werden könnte. Für die unmittelbare Umsetzung wäre dieser Umfang allerdings zu groß gewesen, zumal noch nicht entschieden war, wie sich der Bereich später in die gesamte Website und deren Navigation einordnen sollte. Als ersten Schritt empfahl ich deshalb einen Pilot aus drei miteinander verbundenen Seitentypen. Die erste Seite sollte eigenes Erfahrungswissen vermitteln. Auf der zweiten Seite sollten Interessenten eine fachliche Orientierung für die Auswahl einer Lösung erhalten. Die dritte Seite sollte schließlich erklären, welche Leistung das Unternehmen anbietet und wie eine konkrete Anfrage gestellt werden kann.

Der Pilot wurde kleiner geplant als die vollständige Themenarchitektur

Vor dem Vorschlag wurde für jede Pilotseite geprüft, ob eine eigenständige Nachfrage besteht, ob Suchende ein eigenes Informations- oder Entscheidungsziel verfolgen und ob sich der erwartete Inhalt deutlich von den vorhandenen Seiten unterscheidet. Die Search-Console-Daten zeigten zusätzlich, dass für einen Teil der Anfragen bereits eine Ausgangsbasis vorhanden war.

Bei diesem Vorschlag blieben einige Fragen bewusst offen. Noch zu klären war insbesondere, wie die neuen Seiten in die gesamte Website eingeordnet werden sollten, ob sich die Navigation in absehbarer Zeit ändern würde und an welcher Stelle bestehende Produktseiten benötigt wurden. Statt diese Fragen im Angebot mit Annahmen zu beantworten, wurden sie im gemeinsamen Termin mit den zuständigen Personen besprochen.

Nach diesem Termin stimmte sich das Unternehmen nochmals intern ab. Im Anschluss sollten mehrere der vorgeschlagenen Seitentypen zunächst als Wireframes und später als vollständige Seiten ausgearbeitet werden. Aus dem ursprünglichen technischen Auftrag war damit ein zusätzliches Projekt entstanden. Für den Kunden blieb allerdings jederzeit nachvollziehbar, welche Analyse bereits zum ersten Auftrag gehörte, welche Arbeit mit der Topical Map zusätzlich geleistet wurde und welchen Umfang die anschließende Umsetzung erhalten sollte.

Auch in diesem Fall hätte ich mich auf die vereinbarte Arbeit beschränken können. Die technischen Fehler wären behoben, der Auftrag abgeschlossen und abgerechnet worden. Der Kunde hätte damit eine korrekte Umsetzung erhalten, obwohl das wesentlichere Problem des Themenbereichs weiterhin bestanden hätte. Vorab konnte er dieses Problem kaum erkennen, denn dafür mussten zunächst die vorhandenen Seiten, Suchanfragen und Übergänge zwischen den einzelnen Seitentypen untersucht werden.

Die erste Topical Map und der Pilotvorschlag entstanden deshalb in Vorleistung. Zu diesem Zeitpunkt war nicht absehbar, ob das Unternehmen die weiterführende Umsetzung beauftragen würde. Eine solche Empfehlung verlangt Überzeugungskraft, weil ein Kunde seine ursprüngliche Vorstellung vom Auftrag überprüfen und einer zusätzlichen fachlichen Einordnung vertrauen muss. Dabei entscheidet er auch, ob er mir als Person und meiner Expertise zutraut, dass der Vorschlag einem tatsächlichen Nutzen für sein Unternehmen folgt. Natürlich würde ich wirtschaftlich ebenfalls davon profitieren, wenn aus der Analyse ein Folgeauftrag entsteht. Dieser mögliche Vorteil darf allerdings nicht bestimmen, wie ich das Problem bewerte. Entscheidend ist, ob die zusätzliche Arbeit das Ziel des Kunden besser unterstützt als die ursprünglich beauftragte technische Optimierung allein.

Kommt es anschließend zu einem Folgeauftrag, profitieren davon im besten Fall beide Seiten. Das Unternehmen löst ein Problem, das mit dem technischen Auftrag bestehen geblieben wäre. Für die zusätzliche Analyse und Umsetzung erhalte ich eine Vergütung. Für den Kunden muss deshalb nachvollziehbar sein, welchen zusätzlichen Nutzen das neue Projekt für sein eigenes Ziel besitzt. Dazu gehören eine verständliche Begründung, offen benannte Unsicherheiten und die Möglichkeit, den Vorschlag später oder gar nicht umzusetzen.

Gerade diese Trennung ist für mich ein wesentlicher Teil proaktiver SEO-Arbeit. Wer als externer SEO-Verantwortlicher auf eine zusätzliche Aufgabe stößt, darf hierfür selbstverständlich ein Angebot erstellen. Vorher sollte dem Kunden allerdings erklärt werden, an welcher Stelle der bestehende Auftrag endet und welches weiterführende Problem während der Arbeit sichtbar geworden ist. Ebenso gehört zu einer solchen Empfehlung die Frage, ob zunächst ein begrenzter Einstieg ausreicht oder ob der größere Ausbau tatsächlich sofort notwendig ist.

Proaktive SEO erzeugt nicht jeden Monat neue Aufgaben

Die Erwartung monatlicher Vorschläge klingt zunächst nachvollziehbar. SEO-Maßnahmen benötigen allerdings unterschiedlich viel Zeit, bis ihre Wirkung bewertet werden kann. Werden Seiten neu veröffentlicht, interne Links verändert oder größere Bereiche umgebaut, kann ein weiterer Eingriff nach wenigen Wochen die spätere Auswertung sogar erschweren.

Eine proaktive Empfehlung kann deshalb auch lauten, vorerst nichts zu verändern. In diesem Fall sollten die verantwortlichen SEOs allerdings erklären, welche Entwicklung sie weiter beobachten wollen und weshalb der bisherige Zeitraum noch keine verlässliche Bewertung erlaubt. Ebenso sollte vereinbart werden, wann die nächste Auswertung stattfindet und welche Daten dann über eine weitere Änderung entscheiden.

  • Eine Maßnahme wird priorisiert, weil aktuelle Daten und Geschäftsziel zusammenpassen.
  • Eine geplante Seite wird verschoben, weil eigenes Fachwissen oder eine klare Suchintention fehlt.
  • Ein Test beginnt mit wenigen Seiten, bevor ein kompletter Bereich umgebaut wird.
  • Eine weitere Änderung unterbleibt, bis Crawling, Indexierung und Rankings ausreichend beobachtet wurden.
  • Eine ursprünglich geplante Aufgabe wird beendet, weil ihr Aufwand nicht mehr zum erwarteten Nutzen passt.

In all diesen Situationen wird eine Entscheidung vorbereitet, obwohl daraus nicht immer sofort eine neue Aufgabe entsteht. Die Zahl neuer Tickets sagt daher wenig darüber aus, wie vorausschauend die verantwortlichen SEOs arbeiten. Wesentlich aufschlussreicher ist die Frage, ob sie begründen können, weshalb eine Maßnahme jetzt, später oder gar nicht umgesetzt werden sollte.

Woran sich bloßes Upselling erkennen lässt

Arbeiten die verantwortlichen SEOs als externe Dienstleister, besitzen sie natürlich auch ein wirtschaftliches Interesse an weiteren Aufträgen. Ein zusätzliches Angebot ist deshalb für sich genommen noch kein Hinweis auf eine schlechte Beratung. Misstrauisch würde ich allerdings werden, wenn sich der Vorschlag ebenso an jeden anderen Kunden schicken ließe oder die Verantwortlichen seinen Bezug zur konkreten Website nicht erklären können.

  • Die Idee könnte in derselben Form an jeden anderen Kunden geschickt werden.
  • Aktuelle Kundendaten, vorhandene Inhalte und geschäftliche Prioritäten kommen in der Begründung nicht vor.
  • Ein neues SEO- oder KI-Thema wird allein deshalb als dringend dargestellt, weil gerade viel darüber gesprochen wird.
  • Es bleibt unklar, welche Arbeiten bereits beauftragt sind und ab welchem Punkt zusätzliche Kosten entstehen.
  • Die verantwortlichen SEOs erklären weder den erwarteten Nutzen noch den Zeitpunkt und die Daten für eine spätere Bewertung.

Im zweiten Praxisfall entstand aus einem solchen Zusatzangebot ein sinnvolles Folgeprojekt. Bevor über die Umsetzung entschieden wurde, lagen jedoch bereits die Analyse des bestehenden Bereichs, eine geplante Themenarchitektur und ein begrenzter Pilotvorschlag vor. Der Kunde konnte dadurch nachvollziehen, weshalb zusätzliche Seiten empfohlen wurden, welche Fragen noch offen waren und an welcher Stelle weitere Kosten entstehen würden.

Proaktive Zusammenarbeit benötigt Wissen aus dem Unternehmen

Auch die verantwortlichen SEOs können ohne Mitwirkung des Unternehmens dauerhaft keine guten Vorschläge entwickeln. Für ihre Einordnung benötigen sie Informationen über die tatsächlichen Geschäftsziele, geplante Produkte, häufige Kundenfragen und bekannte Probleme im Vertrieb. Ebenso wichtig ist der Zugang zu den Mitarbeitern, die aus ihrer täglichen Arbeit über Fachwissen und Erfahrungen verfügen. Fehlen diese Angaben, können die Verantwortlichen zwangsläufig nur auf die Daten der Website und öffentlich verfügbare Informationen zurückgreifen.

Der erste Praxisfall zeigt diese Grenze recht deutlich. Aus den SEO-Daten ließ sich zwar ableiten, welche Seitentypen überprüft werden sollten und bei welchen Ratgebern ein zusätzlicher Informationsbedarf bestand. Die konkreten Projektentscheidungen, Messwerte und Erfahrungen aus dem Service waren in diesen Daten allerdings nicht enthalten. Damit daraus Inhalte mit eigenem fachlichem Wert entstehen konnten, mussten die zuständigen Mitarbeiter des Unternehmens eingebunden werden.

Bei einer proaktiven Zusammenarbeit müssen die verantwortlichen SEOs daher konkrete Fragen stellen und deutlich benennen, welche Informationen ihnen fehlen. Auf Unternehmensseite werden wiederum Personen benötigt, die diese Fragen beantworten können. Zusätzlich muss geklärt sein, wer über die vorgeschlagenen Prioritäten, den möglichen Aufwand und das verfügbare Budget entscheidet.

Fünf Fragen für das Gespräch mit den verantwortlichen SEOs

Wenn du aktuell hauptsächlich Reports erhältst, musst du die Zusammenarbeit nicht unmittelbar beenden. Zunächst würde ich den verantwortlichen SEOs im nächsten Gespräch diese Fragen stellen:

  1. Was habt ihr seit der letzten Auswertung gelernt, das unsere bisherigen Prioritäten verändert?
  2. Welche geplante SEO-Aufgabe würdet ihr derzeit verschieben oder ganz streichen?
  3. Welche konkrete Empfehlung ergibt sich aus unseren Daten und nicht nur aus einem allgemeinen SEO-Trend?
  4. Welche Informationen oder Entscheidungen benötigt ihr von uns, bevor ihr weiterarbeiten könnt?
  5. Wann und anhand welcher Daten sollten wir prüfen, ob die empfohlene Maßnahme funktioniert hat?

Die Antworten auf diese Fragen müssen nicht spektakulär klingen und auch nicht jedes Mal zu einer neuen Aufgabe führen. Gute SEO-Verantwortliche sollten allerdings nachvollziehbar erklären können, was sie aus den Daten ableiten und an welcher Stelle die Daten keine eindeutige Aussage erlauben. Aus ihrer Antwort sollte außerdem hervorgehen, welche Entscheidung sie empfehlen und welche Informationen sie hierfür noch vom Unternehmen benötigen. Weitere Anhaltspunkte findest du in meinen Fragen zur fachlichen Einordnung von SEO-Verantwortlichen.


Reports sollten zu einer Entscheidung führen

Monatliche Reports sind sinnvoll, wenn sie Veränderungen dokumentieren und den Projektverlauf nachvollziehbar machen. Für eine dauerhafte Beratung reichen sie allein jedoch nicht aus, da die dargestellten Zahlen noch keine Antwort auf die weitere Planung geben. Die verantwortlichen SEOs müssen deshalb erklären, ob aus einer Beobachtung bereits eine konkrete Empfehlung folgt, ob zunächst weitere Daten gesammelt werden sollten oder ob der bisherige Plan korrigiert werden muss.

In den beiden beschriebenen Projekten begann die zusätzliche Arbeit jeweils vor dem Angebot. Im ersten Fall wurden die Kundendaten und der vorhandene Content-Plan überprüft, bevor Gespräche zur Erfassung des internen Fachwissens angeboten wurden. Im zweiten Fall entstand aus der Analyse des bestehenden Bereichs zunächst eine Themenarchitektur, aus der anschließend ein kleinerer Pilot abgeleitet wurde. Erst nach diesen Vorarbeiten konnten die Unternehmen entscheiden, ob sie weiterarbeiten wollten und welcher Umfang zu ihrer aktuellen Situation passte.

Wenn du bei deinem aktuellen Report nicht erkennst, welche Entscheidung daraus folgt, kannst du ihn mir über meinen kostenlosen SEO-Reporting-Check zur unabhängigen Einordnung schicken. Ich erkläre dir, was die Zahlen tatsächlich zeigen, welche Fragen offenbleiben und was du die verantwortlichen SEOs im nächsten Gespräch fragen solltest.

Wenn bei dir noch offen ist, ob technische SEO, Local SEO, Content, PR oder zunächst die Einordnung vorhandener Daten benötigt wird, findest du in der Diagnose der benötigten SEO-Expertise für Unternehmen in Schleswig-Holstein die passenden Kontrollfragen.

Über diesen Artikel

Die inhaltliche Verantwortung für jeden Artikel auf diesem Blog liegt bei mir, Patrick Stolp. Thema, These, Recherche und fachliche Prüfung sind meine Arbeit – hier wird nichts veröffentlicht, das ich nicht selbst konzipiert, geschrieben und als korrekt verifiziert habe. Generative KI (Claude von Anthropic) kommt punktuell als Werkzeug zum Einsatz – etwa für Formulierungsentwürfe oder das Gegenlesen technischer Erklärungen. Kein KI-Output landet ungeprüft oder unverändert auf dieser Seite. Beitragsbilder werden mit Google Nano Banana 2 erstellt.

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