Mit ChatGPT Texte im eigenen Schreibstil erstellen
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Gute, einzigartige Inhalte entstehen nicht dadurch, dass ich einer KI ein Thema nenne und auf einen Knopf drücke. Für einen eigenen Fachbeitrag brauche ich eine Datengrundlage, eigene Gedanken und eine Vorstellung davon, was ich erklären möchte und wie die Inhalte zusammengehören. Eine KI kann mich bei dieser Arbeit unterstützen. Sie nimmt mir aber weder die fachliche Auseinandersetzung noch die Verantwortung für die Aussagen ab.
Mich hat deshalb eine enger gefasste Frage beschäftigt: Wenn Daten, Grundgedanken und der inhaltliche Aufbau bereits vorliegen, kann eine KI daraus einen Text in meinem persönlichen Schreibstil formulieren? Mit „Stil auf Knopfdruck“ meine ich genau diesen Arbeitsschritt. Ich möchte nicht jedes Mal ausführlich erklären müssen, wie ich schreibe, und anschließend sämtliche Sätze umformulieren. Die inhaltliche Vorbereitung und meine abschließende Prüfung gehören weiterhin dazu.
Um das zu untersuchen, habe ich eigene Texte mit Unterstützung von ChatGPT und Claude analysiert und daraus ein Sprachprofil entwickelt. Darin steht beispielsweise, wie ich Sätze aufbaue, Zusammenhänge erkläre und eigene Einschätzungen formuliere. Anschließend habe ich die KI mit unterschiedlichen Fassungen dieses Profils Texte schreiben lassen und die Ergebnisse selbst beurteilt. Wenn im Folgenden von einem Test die Rede ist, ist ein solcher Schreibauftrag mit anschließender Bewertung gemeint.
Dabei bin ich auf eine Schwierigkeit gestoßen, die ich zunächst dem Stil zugerechnet hatte. Mehrere Ergebnisse waren sprachlich durchaus passend, wären als vollständige Beiträge aber trotzdem nicht von mir gekommen. Erst bei der Prüfung der Schreibaufträge wurde deutlich, weshalb weitere Sprachregeln allein das Problem nicht lösen konnten.
Inzwischen gibt es kurze KI-Texte, an denen ich stilistisch nichts mehr ändern würde. Das dafür entwickelte Profil habe ich in einem Schreibskill gebündelt, also einer wiederverwendbaren Anleitung für die KI. In diesem Artikel zeige ich, wie ich dabei vorgegangen bin, welche Grenzen die Tests hatten und welche Vorbereitung ein solcher Skill weiterhin voraussetzt.

Weshalb ein Text sprachlich passen und trotzdem fremd wirken kann
In einem der Schreibtests sollte die KI einen längeren Website-Beitrag darüber verfassen, weshalb gute Google-Platzierungen nicht automatisch neue Kunden bringen. Sie erhielt dafür mein Sprachprofil und Vorgaben zum Inhalt. Die Aussagen waren überwiegend nachvollziehbar, die Formulierungen weitgehend in Ordnung. Trotzdem hätte ich diesen Beitrag so nicht geschrieben. Er erklärte bekannte Zusammenhänge, führte sie aber nicht so weit, wie ich es bei dieser Frage für nötig gehalten hätte.
Ein Teil davon war bereits im Auftrag angelegt. Der Text sollte eine erste Einordnung geben und vorgegebene Aspekte in einem begrenzten Umfang behandeln. Damit war zwar das allgemeine Thema bestimmt. Es fehlte aber die konkrete fachliche Frage, die ich selbst anhand des Materials untersucht hätte. Auch nachdem ich mehr Umfang zugelassen und die persönliche Ansprache stärker betont hatte, blieb der nächste Text inhaltlich zu allgemein.
Meine Beiträge beginnen meist damit, dass mir etwas auffällt oder ich eine bestimmte Einschätzung genauer untersuchen möchte. Manchmal ist es ein ungewöhnlicher Fall aus meiner Arbeit, der sich mit einer gängigen Erklärung nicht ohne Weiteres vereinbaren lässt. Manchmal beschäftigt mich ein Begriff, eine Behauptung oder ein vermeintlicher Irrglaube, den ich anhand konkreter Fälle überprüfen will. Die fachliche Vorbereitung kann aus eigenen Daten, Recherche, einer Wissensbibliothek oder mehreren dieser Quellen bestehen.
Das allgemeine Thema allein sagt noch wenig darüber aus. Ein SEO-Reporting ist zunächst ein Bericht über die Arbeit an der Suchmaschinenoptimierung und deren Ergebnisse. Unter dieser Überschrift könnte ich erklären, welche Kennzahlen in einen solchen Bericht gehören. Ich kann aber auch untersuchen, weshalb mehrere korrekte Kennzahlen desselben Projekts zu unterschiedlichen Bewertungen führen. Beide Beiträge behandeln Reporting. Sie benötigen jedoch andere Informationen und verfolgen eine andere Frage.
Mit den allgemein gehaltenen Testaufträgen hatte ich also etwas anderes geprüft als die sprachliche Ausarbeitung meiner vorbereiteten Inhalte. Die KI musste einen Teil der inhaltlichen Auswahl selbst übernehmen. Dass mir diese Auswahl nicht genügte, war noch kein Nachweis dafür, dass sie meinen Satzbau oder meine Wortwahl nicht treffen konnte.
Für mich war deshalb hilfreich, bei der Bewertung zwei Fragen auseinanderzuhalten: Würde ich diese Sätze so formulieren? Und würde ich den Gegenstand auf diese Weise behandeln? Wenn die erste Antwort positiv ausfällt und die zweite nicht, muss das Sprachprofil nicht zwangsläufig um weitere Verbote ergänzt werden. Zunächst lohnt sich die Prüfung, welche fachliche Richtung der Auftrag überhaupt vorgibt.
Was Wortwahl und Satzbau über den eigenen Stil verraten
Die linguistische Analyse bleibt dabei sinnvoll. Sie hilft, genauer zu benennen, weshalb eine Formulierung passend oder unpassend wirkt. Mit der Anweisung „Schreib menschlicher“ lässt sich das kaum unterscheiden. Auch eine Liste unerwünschter Wörter beschreibt zunächst nur, was verschwinden soll.
Angenommen Du lässt die Wörter „entscheidend“ und „darüber hinaus“ aus einem Text entfernen. Das Modell kann sie durch „wesentlich“ und „zusätzlich“ ersetzen. Wenn Dich eigentlich die Folge abstrakter Feststellungen oder der fehlende Anschluss zwischen den Sätzen stört, bleibt das Problem bestehen. Eine persönliche Wortpräferenz kann trotzdem verbindlich sein. Sie beantwortet lediglich eine andere Frage als die nach dem Aufbau des Gedankens.
Ähnliche Wörter können unterschiedlich angeordnet sein
An einem einfachen Beispiel lässt sich zeigen, was eine Wortliste nicht erfasst:
Der persönliche Stil lässt sich mit einer bloßen Wortliste nicht zuverlässig nachbilden.
Mit einer bloßen Wortliste lässt sich der persönliche Stil nicht zuverlässig nachbilden.
Beide Sätze enthalten dieselben Wörter. Im ersten Satz steht „der persönliche Stil“ vor dem finiten, also gebeugten Verb „lässt“. Im zweiten ist es die Präpositionalgruppe „mit einer bloßen Wortliste“. Im topologischen Feldermodell heißt diese Position Vorfeld. Die Beschreibung von Stellungsfeldern und Satzklammer beim Leibniz-Institut für Deutsche Sprache erklärt, wie die Verbpositionen den Satz gliedern.
| Satzfeld | Bestandteil des zweiten Beispiels |
|---|---|
| Vorfeld | Mit einer bloßen Wortliste |
| Linke Satzklammer | lässt |
| Mittelfeld | sich der persönliche Stil nicht zuverlässig |
| Rechte Satzklammer | nachbilden |
| Nachfeld | bleibt leer |
Für die Stilanalyse interessiert mich, welchen Ausgangspunkt ein Autor in einem konkreten Zusammenhang wählt. Greift er etwas Bekanntes auf? Stellt er zunächst eine Bedingung voran? Beginnt er mit einer eigenen Beobachtung? Aus solchen Fragen lassen sich brauchbare Hinweise entwickeln. Die bloße Anweisung, eine bestimmte Quote von Sätzen ohne Subjekt im Vorfeld zu erzeugen, erklärt dem Modell dagegen noch nicht, wann welcher Satzanfang sinnvoll ist.
Komplexe Sätze sind nicht automatisch unpersönlich
Bei meinen Texten gehörte zu den wichtigen Präzisierungen, was ich eigentlich mit dem Entfalten eines Gedankens meine. Ich möchte Beziehungen, Voraussetzungen und Einschränkungen nachvollziehen können. Dafür können mehrere Sätze nötig sein. Derselbe Zusammenhang kann sich aber auch in einem komplexen Satz mit Nebensätzen und Einschüben verständlich ausdrücken lassen.
Eine Regel wie „Jede Information bekommt einen eigenen Satz“ wäre für mich deshalb zu eng. Auch Nominalkonstruktionen, Fachbegriffe oder Passivformen sind nicht allein wegen ihrer Form unpassend. „Die Texte wurden geprüft“ kann genau dann sinnvoll sein, wenn die Texte und die erfolgte Prüfung wichtig sind, während die prüfende Person im Zusammenhang keine Rolle spielt.
Bei der sprachlichen Analyse interessieren mich deshalb mehrere Ebenen: Welche Wörter wähle ich? Wie verbinde ich sie zu Wortgruppen und Sätzen? Was stelle ich an den Satzanfang, und welche Information ergänze ich später? Die Begriffe helfen, einzelne Entscheidungen genauer zu beschreiben. Für den Schreibauftrag muss daraus anschließend eine verständliche Anweisung entstehen.
Ein passendes Verbindungswort ersetzt keine Beziehung
Ähnlich verhält es sich mit Wörtern wie „dadurch“, „damit“ oder „allerdings“. Es hilft wenig, sie regelmäßig einzubauen, wenn unklar bleibt, worauf sie sich beziehen. In den von der KI geschriebenen Texten habe ich unter anderem Formulierungen beanstandet, die zwar grammatisch möglich waren, aber nicht eindeutig auf den gemeinten Vorgang verwiesen.
„Dadurch verbessert sich das Ergebnis“ kann an sehr viele Absätze angeschlossen werden. Der Satz erklärt für sich genommen weder, wodurch etwas besser wird, noch welches Ergebnis gemeint ist. Ein Stilprofil sollte in solchen Fällen zur konkreten Benennung anhalten. Es muss deswegen nicht sämtliche Pronomen verbieten. Eindeutige Rückverweise dürfen selbstverständlich stehen bleiben.
Über den einzelnen Satz hinaus gibt es dafür linguistische Ansätze. Die Rhetorical Structure Theory beschreibt funktionale Beziehungen zwischen Textteilen, etwa wenn eine Aussage durch einen Beleg gestützt oder durch Hintergrundinformationen verständlich gemacht wird. Für meine Untersuchung ist das ein hilfreicher Anschluss: Welche Aufgabe erfüllt eine Passage im Verhältnis zur vorherigen? Daraus ergibt sich allerdings noch keine vorgegebene Reihenfolge für jeden Artikel.
Welche eigenen Texte sich als Grundlage eignen
Bevor ein Modell solche Merkmale untersucht, muss geklärt sein, wessen Sprache eigentlich im Material steht. Ein unter Deinem Namen veröffentlichter Beitrag kann von Dir stammen, redaktionell überarbeitet worden sein oder weitgehend auf einem KI-Entwurf beruhen. Diese Unterschiede sind auch dann relevant, wenn Du mit der veröffentlichten Fassung vollständig zufrieden bist.
Bei der Zusammenstellung meines Textmaterials musste ich die Herkunft einzelner Texte genauer einordnen. Eine von mir akzeptierte KI-Fassung war als positives Vergleichsbeispiel durchaus nützlich. Sie durfte aber nicht zugleich als Nachweis dafür gelten, dass die darin vorkommenden Konstruktionen typisch für meine selbst geschriebenen Texte sind. Sonst kann ein Modell seine eigenen Formulierungen wiederfinden und sie anschließend als meinen Stil bestätigen.
Ich unterscheide deshalb:
- Eigene Originaltexte: Sie zeigen, welche Formulierungen ich selbst gewählt habe. Datum, Textsorte und mögliche redaktionelle Eingriffe gehören trotzdem dazu.
- Eigene Überarbeitungen: Zusammen mit dem Ausgangstext zeigen sie konkrete Entscheidungen. Wenn ich dabei auch den Inhalt ändere, lässt sich die Wirkung nicht allein dem Satzbau zuschreiben.
- Ausdrücklich akzeptierte KI-Texte: Sie zeigen, welche Ergebnisse für mich passen. Sie bleiben als KI-Ausgaben gekennzeichnet.
- Texte mit unklarer Herkunft: Sie können Hinweise liefern, eignen sich aber nicht dazu, neue persönliche Regeln sicher zu begründen.
Zitate anderer Personen, eingefügte Briefings, Navigation und automatische Textbausteine werden von der Analyse des eigenen Stils getrennt. Dabei sollte die Originaldatei erhalten bleiben. Die Bereinigung erfolgt in einer Arbeitskopie, damit nachvollziehbar ist, was ausgeschlossen wurde.
Auch innerhalb der eigenen Texte ist die Situation wichtig. Eine interne E-Mail und ein öffentlicher Fachartikel müssen nicht gleich klingen. Ich habe mich bei der Entwicklung dieses Skills auf meine eigene Website konzentriert. Daraus leite ich keine vollständige Beschreibung meiner E-Mails, LinkedIn-Kommentare oder Texte für andere Auftraggeber ab. Für einen ersten eigenen Versuch würde ich den Anwendungsbereich deshalb ebenfalls überschaubar halten.
Was die Vergleiche verschiedener Sprachprofile ergeben haben
Um herauszufinden, wie umfangreich die Schreibanleitung sein sollte, habe ich drei Varianten verglichen: ein ausführliches Sprachprofil, eine gekürzte Fassung und die gekürzte Fassung mit einem zusätzlichen Beispieltext von mir. Für vier Themen ließ ich jeweils Texte mit diesen drei Varianten erzeugen. Anschließend bewertete ich, welche Ergebnisse meiner Schreibweise am nächsten kamen.
Bei der Vorlage zur Bewertung war zunächst nicht angegeben, mit welcher Variante ein Text entstanden war. Nach dem ersten Vergleich kannte ich allerdings bereits die Methoden und deren bisherige Zuordnungen. Meine späteren Bewertungen waren deshalb nicht mehr in gleicher Weise unabhängig von diesem Vorwissen.
Über die vier Themen hinweg gab es keinen eindeutigen Gewinner. Die kompakte Fassung lag bei einem Thema vorn, die ausführliche bei einem anderen. Der zusätzliche Beispieltext verbesserte die Bewertung in manchen Aufgaben und verschlechterte sie in anderen. Aus diesen Ergebnissen ließ sich weder „mehr Regeln helfen“ noch „Beispiele schaden“ als allgemeine Empfehlung ableiten.
Ich ließ außerdem denselben Schreibauftrag mit unveränderten Anweisungen mehrfach ausführen. Dabei entstanden auch mit derselben Profilvariante unterschiedlich überzeugende Texte. In einem Bewertungsdurchgang kam sowohl der von mir am besten bewertete als auch einer der am schlechtesten bewerteten Texte aus derselben Variante. Ein einzelner gelungener Text hätte deshalb ein irreführendes Bild von der Zuverlässigkeit geben können.
Später verglich ich zwei überarbeitete, kompakte Profile anhand von sechs kurzen Texten. Ich bewertete sie im oberen Bereich einer Skala von eins bis fünf, wobei fünf die beste Bewertung war. Teilweise konnte ich mich nur auf einen Bereich zwischen zwei Werten festlegen. Die sprachlichen Unterschiede waren für mich inzwischen so gering, dass eine genaue Rangfolge mehr Sicherheit vorgetäuscht hätte, als ich bei der Bewertung empfand.
Die guten sprachlichen Bewertungen beantworteten allerdings noch nicht die Frage, ob ich auch einen vollständigen Beitrag so schreiben würde. Die bereits beschriebenen längeren Texte zu Google-Platzierungen und Kundengewinnung zeigten genau diese Grenze: Einzelne Formulierungen passten, die inhaltliche Behandlung blieb mir zu allgemein.
Dass zusätzliche Stilanweisungen nicht automatisch helfen, findet sich auch in der Forschung. Bhandarkar und Kollegen untersuchten 2024 die Nachbildung von Autorenstilen mit zwölf Sprachmodellen. In ihrem Versuchsaufbau profitierten viele Modelle von mehr Autorentext, während zusätzliche vorgegebene Stilmerkmale häufig mit schlechteren Ergebnissen verbunden waren. Bewertet wurde dort mit Verfahren zur automatischen Autorschaftszuordnung. Das ist eine andere Messung als meine persönliche Abnahme und kein Beweis, dass individuell formulierte Stilprofile generell ungeeignet wären.
Ein konkreter Reporting-Fall machte den Unterschied sichtbar
Um die sprachliche Umsetzung an bereits vorhandenem Fachmaterial zu prüfen, wählte ich einen Fall aus meinem Artikel über die Bewertung von SEO-Reportings. Darin geht es um einen Online-Shop, bei dem unterschiedliche Zahlen zunächst unterschiedliche Urteile über den SEO-Erfolg nahelegten.
Für die Seiten einer bestimmten Marke waren die täglichen Klicks aus der Google-Suche von April bis August um 73 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich lagen die Klicks dieses Markenbereichs dagegen 31 Prozent niedriger. Bei einem weiteren Vergleich innerhalb des Jahres hatte die gesamte Website rund vier Prozent verloren.
Die Zahlen bezogen sich auf unterschiedliche Zeiträume und teilweise auf unterschiedliche Teile des Shops. Hinzu kam die Produkthistorie: Im Vorjahr hatte eine Produkteinführung die Nachfrage erhöht. Die fachliche Frage lautete deshalb, welche Betrachtung überhaupt geeignet war, die geleistete SEO-Arbeit zu beurteilen.
Den Fall, die Zahlen und diese Frage stellte ich der KI zur Verfügung. Sie sollte daraus mit meinem Sprachprofil zunächst einen kurzen Einstieg formulieren. Thema und inhaltlicher Klärungsbedarf standen damit bereits fest.
Die KI begann ihre Darstellung so:
Bei der Auswertung eines Online-Shops aus meiner eigenen SEO-Arbeit ergab sich eine Konstellation, die sich je nach Betrachtung ziemlich unterschiedlich hätte erklären lassen. Der von uns bearbeitete Markenbereich erhielt von April bis August 73 Prozent mehr Klicks pro Tag.
Diese Darstellung entsprach sprachlich bis dahin am besten meinen Vorstellungen. Als Einleitung hätte ich den Gedanken allerdings anders begonnen. Bevor ich die Zahlen vorstelle, möchte ich erklären, weshalb die Bewertung der geleisteten Arbeit für meine Kunden überhaupt wichtig ist. Deshalb schrieb ich selbst eine noch unvollständige Einleitung, deren erste Sätze so lauteten:
In meiner persönlichen Berufserfahrung habe ich verständlicherweise häufig damit zu tun, dass Kunden wissen wollen, was sie eigentlich für ihr Geld erhalten haben. Das ist legitim. SEOs sollten darüber berichten – und das idealerweise ohne darauf zu warten, dass der Kunde danach fragt.
Im weiteren Verlauf meiner Einleitung unterschied ich drei Dinge: die Beschreibung eines aktuellen Zustands, die Aufzählung erledigter Tätigkeiten und einen Projektbericht, der die Arbeit und ihre Ergebnisse einordnet. Als Beispiel verwendete ich Meta-Descriptions, also die im Quelltext einer Webseite hinterlegten Kurzbeschreibungen.
Die Feststellung, dass solche Texte fehlen, beschreibt zunächst einen Zustand. Die Mitteilung, dass sie geschrieben wurden, nennt eine erledigte Aufgabe. Mich interessiert bei einem Reporting darüber hinaus, weshalb die Aufgabe ausgewählt wurde und was sich über ihren Nutzen sagen lässt. Damit lagen meine Ausgangsposition und der Gedankengang für die Fortsetzung vor.
Ich gab der KI diese Einleitung und beauftragte sie, den Gedankengang fortzusetzen und anschließend zum Zahlenfall überzuleiten. Im ersten Absatz ihrer Fortsetzung ging es um die Erklärung der SEO-Arbeit gegenüber dem Kunden:
Wenn ich einem Kunden berichte, dass wir seine Meta-Descriptions überarbeitet haben, möchte er verständlicherweise auch wissen, weshalb wir uns ausgerechnet damit beschäftigt haben. Es wird ja einen Grund gegeben haben, diese Aufgabe anderen möglichen Arbeiten vorzuziehen. Vielleicht waren die betroffenen Seiten für das Unternehmen besonders wichtig. Vielleicht gab es einen konkreten Anlass, sich die Darstellung dieser Seiten in den Suchergebnissen anzusehen. Das müsste ich im jeweiligen Projekt erklären können. Mit der Information, dass die Texte jetzt vorhanden sind, weiß der Kunde jedenfalls noch nicht, ob sich die Arbeit für ihn gelohnt hat. Nun lässt sich diese Frage auch nicht für jede einzelne Tätigkeit unmittelbar beantworten. Trotzdem kann ich erklären, was wir mit der Änderung erreichen wollten, welche Entwicklung wir seitdem beobachten und inwieweit sich daraus überhaupt schon etwas über den Erfolg unserer Arbeit sagen lässt.
Danach leitete der Text zu den unterschiedlichen Klickzahlen des Shops über. Beide neu geschriebenen Absätze hätte ich so formulieren können. An dieser Fortsetzung hatte ich stilistisch nichts auszusetzen.
Für diese konkrete Aufgabe war damit das gewünschte Ergebnis erreicht: Die KI hatte meine vorbereiteten Gedanken in einer Form ausgearbeitet, die für mich passte. Zur Verfügung standen ihr das Sprachprofil, meine Einleitung, der bekannte Fall und die bisherigen Gespräche über meine Schreibweise. Welchen Anteil jeder einzelne Bestandteil am Ergebnis hatte, habe ich nicht getrennt untersucht. Daraus folgt deshalb noch keine Aussage darüber, wie zuverlässig der Skill einen ganzen neuen Artikel formuliert.
Der Unterschied zwischen den beiden KI-Ausgaben war für mich dennoch aufschlussreich. Die erste stellte den Fall dar. Die zweite entwickelte meinen zuvor erklärten Anspruch an einen Projektbericht weiter. Beides konnte sprachlich passen. Die Angabe „Schreibe einen Website-Text in meinem Stil“ hätte der KI aber noch nicht mitgeteilt, welche dieser Aufgaben die Passage erfüllen sollte.
Braucht die KI meinen Schreibanlass oder meine Motivation?
Für einen neuen persönlichen Fachartikel sollte die KI wissen, welche Frage Du mit Deinem Material bearbeiten möchtest. Sie muss dafür nicht Deine private Motivation kennen. Es geht zunächst darum, was an dem Gegenstand für Dich erklärungsbedürftig ist und welche Perspektive Du bereits mitbringst.
Die Informationen können im Auftrag stehen, aus einem bestehenden Text hervorgehen oder im Projektkontext bereits vorhanden sein. Wenn Du einen Absatz lediglich sprachlich überarbeiten lässt, wäre eine erneute Befragung nach Deinem Schreibanlass häufig unnötig. Der Gedankengang liegt dann möglicherweise schon vollständig vor.
Für die Ausarbeitung eines vorbereiteten Textes unterscheide ich inzwischen diese Angaben:
| Bestandteil | Welche Information wird gebraucht? |
|---|---|
| Sprachprofil | Wie formulierst Du und wie erklärst Du Zusammenhänge? |
| Fachmaterial | Welche Daten, Fälle und Quellen stehen zur Verfügung? |
| Schreibanlass | Welche konkrete Beobachtung oder Frage möchtest Du bearbeiten? |
| Eigene Position | Welche Einschätzung vertrittst Du bereits, was ist noch offen? |
| Aufbau und Textaufgabe | Für wen schreibst Du, welche Abfolge ist vorgesehen und was soll die einzelne Passage erklären? |
Die Tabelle ist keine Pflichtliste für jeden Prompt. Sie hilft mir vor allem, fehlende Angaben von fehlender Stiltreue zu unterscheiden. Wenn die KI meine Frage bereits kennt, muss ich sie nicht wiederholen. Und wenn ich selbst noch keine Antwort habe, darf die Untersuchung selbstverständlich ergebnisoffen beginnen.
Fachwissen allein bestimmt noch keinen persönlichen Beitrag
Eine Recherche oder eine Sammlung bereitgestellter Fachquellen liefert Informationen zum Thema. Ob darin auch meine konkrete Frage und mein Standpunkt vorkommen, hängt von den Dokumenten ab. Allgemeine Reporting-Leitfäden erklären vielleicht, wie man einen Bericht erstellt. Sie wissen nicht automatisch, weshalb mich die drei Zahlen eines bestimmten Projekts beschäftigen.
Ein brauchbarer Auftrag kann deshalb ganz unspektakulär aussehen:
Formuliere die Fortsetzung meiner beigefügten Einleitung mit meinem Website-Sprachprofil. Erkläre zunächst, weshalb die Mitteilung über fertiggestellte Meta-Descriptions dem Kunden noch keine Bewertung der Arbeit ermöglicht. Leite anschließend zu dem Fall über, in dem unterschiedliche Vergleichszeiträume zu unterschiedlichen Urteilen über den SEO-Erfolg führen. Meine Ausgangsposition und die Fallzahlen findest Du im Material. Schreibe dafür zwei Absätze.
Das Beispiel beschreibt den gewünschten Zusammenhang und die Reihenfolge der beiden Absätze. Die KI bekommt damit eine sprachliche Aufgabe an vorbereitetem Inhalt. Die eigentliche Fallanalyse müsste bereits im Material stehen; sie entsteht nicht dadurch, dass ich diesen kurzen Auftrag eingebe.
Was „Stil auf Knopfdruck“ leisten soll
Ein Sprachmodell kann auch aus einer knappen Themenvorgabe einen flüssigen Text erzeugen. Damit sind aber weder eine eigene Recherche noch eine eigenständige fachliche Auseinandersetzung erledigt. Es wurde zunächst Text erzeugt. Ob seine Aussagen stimmen, ob er etwas Eigenes beiträgt und ob die Behandlung dem Gegenstand gerecht wird, ist damit noch nicht beantwortet.
Ich kann die KI bei der Vorbereitung durchaus einsetzen: um Quellen zu erschließen, Gegenargumente zu untersuchen oder einen möglichen Aufbau zu besprechen. Das ist gemeinsame inhaltliche Arbeit mit anschließender Prüfung. Der Stil-Skill soll mir danach die wiederholte Erklärung meiner sprachlichen Vorstellungen und einen Teil der Umformulierungen ersparen. Er ersetzt keinen dieser Vorbereitungsschritte.
Wie aus der Analyse ein nutzbarer Schreibskill wird
In meinem Website-Skill sind das Sprachprofil, Hinweise zur Ausarbeitung vorbereiteter Gedanken und wenige gekennzeichnete Textbeispiele gebündelt. Die Beispiele zeigen etwa den Unterschied zwischen einer Falldarstellung und der Entwicklung einer persönlichen Einschätzung. Die umfangreichen Analysen, früheren Profilfassungen und Testauswertungen bewahre ich getrennt auf. Sie müssen nicht bei jedem Schreibauftrag vollständig mitgegeben werden.
Wichtig ist mir dabei, dass der Skill zwischen einer ausdrücklichen persönlichen Vorgabe und einer Beobachtung unterscheidet. Wenn ich ein bestimmtes Wort nicht verwenden möchte, kann diese Präferenz direkt aufgenommen werden. Dass in einem älteren Text mehrere Sätze mit derselben Konstruktion beginnen, begründet dagegen noch keine allgemeine Pflicht.
Bei einer aus eigenen Texten abgeleiteten Anweisung sollte nachvollziehbar sein, auf welchen Stellen sie beruht und in welchem Zusammenhang sie gilt. Eine einfache Vorgabe könnte lauten: „Benenne den Gegenstand erneut, wenn ein Pronomen bei mehreren möglichen Bezügen missverständlich wird.“ Daraus muss keine Quote für wiederholte Substantive entstehen.
Der Skill soll ebenso wenig jedem Artikel dieselbe Gliederung vorgeben. Wenn der Aufbau vorbereitet ist, soll die KI sich daran orientieren. Das bedeutet nicht, dass die Abfolge bis ins letzte Satzdetail unveränderlich wäre. Beim Ausformulieren kann sich zeigen, dass vor einer Aussage noch eine Erklärung nötig ist oder zwei Gedanken in anderer Reihenfolge verständlicher werden. Solche Anpassungen entwickeln vorhandene Inhalte weiter.
Auch in der Schreibforschung wird Schreiben nicht auf die Ausführung eines unveränderlichen Plans reduziert. Flower und Hayes beschreiben Planen, Formulieren und Überarbeiten als ineinandergreifende Prozesse. Das ist kein Beleg dafür, dass eine KI denselben inneren Prozess durchläuft wie ein Mensch. Es hilft mir aber, die Vorbereitung des Beitrags und mögliche Änderungen während des Formulierens zusammenzudenken.
Nach dem Entwurf werden Aussagen, Bezüge und Verständlichkeit kontrolliert. Eine unnötige Glättung kann dabei ebenfalls schaden: Wenn kurze persönliche Urteile, funktionale Wiederholungen oder komplexe Erklärungen pauschal entfernt werden, verliert der Text womöglich genau das, was ich an ihm passend fand.
Einen eigenen Stil-Skill mit Claude Code oder Codex aufbauen
Für die praktische Nutzung verwende ich Claude Code beziehungsweise Codex. Das sind Arbeitsumgebungen, in denen die KI auf bereitgestellte Projektdateien und wiederverwendbare Anweisungen zugreifen kann. Die folgende Installation bezieht sich auf diese Anwendungen. Ein gewöhnlicher Chat in ChatGPT oder Claude lädt den Ordner dadurch nicht automatisch.
Technisch besteht der Skill aus einem Ordner mit einer zentralen Anleitungsdatei namens SKILL.md und gegebenenfalls weiteren Referenzdateien. Damit wird keine persönliche Modellvariante trainiert. Die KI erhält beim jeweiligen Auftrag zusätzliche Anweisungen.
Ich stelle dafür einen neutralen Skill zur Analyse und Anwendung des eigenen Schreibstils bereit. Er enthält die Arbeitsanleitung und Vorlagen, aber keine privaten Texte, persönlichen Wortverbote oder das für mich entwickelte Autorenprofil. Er hilft beim Aufbau Deines eigenen Profils; er liefert noch keinen nachgewiesenen Stiltransfer für jeden Autor.
Den Download installieren
Entpacke die ZIP-Datei. Der Ordner schreibstil-linguistisch wird vollständig in das jeweilige persönliche Skill-Verzeichnis kopiert. Unter Windows sind dies:
| Anwendung | Zielordner |
|---|---|
| Codex | %USERPROFILE%\.agents\skills\schreibstil-linguistisch\ |
| Claude Code | %USERPROFILE%\.claude\skills\schreibstil-linguistisch\ |
Die Datei SKILL.md liegt direkt in diesem Ordner. OpenAI beschreibt Aufbau und Ablage von Codex-Skills; die Claude-Code-Dokumentation erklärt das entsprechende Skill-Verzeichnis. Falls Codex den neuen Eintrag noch nicht anzeigt, starte die Anwendung neu. Lokale Claude-Code-Skills werden nicht automatisch in Claude-Web oder Cowork verfügbar.
Mit einer konkreten Textsorte beginnen
Lege einen Projektordner mit geeigneten Texten an und notiere, welche Du selbst geschrieben oder überarbeitet hast und welche von einer KI stammen. Für einen Website-Skill würde ich mit eigenen Website-Texten beginnen. Andere Textsorten können später hinzukommen, wenn sie für den gewünschten Einsatz relevant sind.
Ein möglicher Startauftrag lautet:
Nutze den Skill schreibstil-linguistisch und untersuche meine Texte für meine eigene Website. Trenne manuelle Originale, eigene Überarbeitungen, akzeptierte KI-Texte und Material mit unklarer Herkunft. Untersuche sprachliche Konstruktionen und ihre Funktion. Halte ausdrückliche Präferenzen, belegte Beobachtungen und offene Hypothesen getrennt. Erstelle daraus ein kompaktes Sprachprofil. Leite keine Häufigkeitsquoten oder universellen Verbote aus einzelnen Beispielen ab.
Das Profil an echten Schreibaufgaben prüfen
Verwende anschließend einen Beitrag, dessen Inhalt Du tatsächlich vorbereitet hast. Stelle Quellen, Daten und Grundgedanken bereit. Erkläre den vorgesehenen Aufbau und die Aufgabe der gewünschten Passage, soweit diese Angaben nicht bereits aus dem Material hervorgehen. Für eine erste Prüfung der sprachlichen Umsetzung genügt ein überschaubarer Ausschnitt.
Ich würde zuerst frei beurteilen, ob der Text als eigene Formulierung infrage kommt und was ich ändern müsste. Bei einem Problem helfen anschließend genauere Fragen: Ist die Formulierung fremd? Wird eine andere Position vertreten? Fehlt fachliche Tiefe? Oder steht eine grundsätzlich passende Passage an der falschen Stelle?
Bewahre Auftrag, Profilfassung, Ausgabe und Rückmeldung zusammen auf. Wenn Du später eine andere Variante vergleichst, sollte nachvollziehbar sein, was verändert wurde. Ein gelungenes Beispiel ist ein guter Grund, den Skill praktisch zu nutzen. Für Aussagen über Zuverlässigkeit braucht es weitere Aufgaben und Wiederholungen.
Was ich aus den Ergebnissen ableite und was noch offen ist
Für meine persönliche Arbeit ist ein nutzbarer Stand erreicht. Wenn ich die fachliche Grundlage und den Gedankengang bereitstelle, kann ich kurze KI-Texte erhalten, die ich ohne stilistische Änderung akzeptiere. Den daraus entwickelten Website-Skill habe ich in derselben Fassung für Claude Code und Codex eingerichtet. Die Qualität des gesamten Pakets habe ich allerdings noch nicht systematisch zwischen beiden Anwendungen verglichen.
Eine Prozentzahl für Stiltreue würde mehr Genauigkeit behaupten, als meine Bewertungen hergeben. Meine Zustimmung zu einer Passage ist keine Messung sämtlicher Eigenschaften meines Stils. Ebenso wenig beweist eine schwache Ausgabe, dass ein Modell den Stil grundsätzlich nicht nachbilden kann. Dafür haben sich die Ergebnisse zwischen Aufgaben und Wiederholungen zu deutlich unterschieden.
Für die weitere Untersuchung interessiert mich vor allem, weshalb ein Text sprachlich vertraut wirken kann und insgesamt trotzdem nicht als eigener Beitrag infrage kommt. Bei meinen Versuchen spielten die konkrete Fragestellung und die Aufgabe der Passage offenbar eine Rolle. Ob solche Angaben besonders die persönliche Passung verbessern oder zunächst jeden Schreibauftrag verständlicher machen, habe ich damit noch nicht geklärt.
Der praktische Anspruch ist für mich dagegen klar: Ich möchte vorbereitete Inhalte in meiner Sprache ausarbeiten lassen können, ohne mein Sprachprofil jedes Mal neu erklären zu müssen. Daten, Gedanken, Aufbau und fachliche Prüfung werden dadurch nicht entbehrlich. Wenn ich von „Stil auf Knopfdruck“ spreche, meine ich diese Unterstützung beim Formulieren. Die Arbeit, aus der ein guter, eigenständiger Beitrag entsteht, bleibt weiterhin zu tun.
Über diesen Artikel
Die inhaltliche Verantwortung für jeden Artikel auf diesem Blog liegt bei mir, Patrick Stolp. Thema, These, Recherche und fachliche Prüfung sind meine Arbeit – hier wird nichts veröffentlicht, das ich nicht selbst konzipiert, geschrieben und als korrekt verifiziert habe. Generative KI (Claude von Anthropic) kommt punktuell als Werkzeug zum Einsatz – etwa für Formulierungsentwürfe oder das Gegenlesen technischer Erklärungen. Kein KI-Output landet ungeprüft oder unverändert auf dieser Seite. Beitragsbilder werden mit Google Nano Banana 2 erstellt.
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