Wie ich das Antwortverhalten generativer KI-Systeme messe
Methodische Grundlagen, Reproduzierbarkeit und Grenzen des Lübecker KI-Monitors
Methodikfassung 1.0 · 21.08.2026Diese Seite richtet sich an Leser, die meine Erhebungen methodisch prüfen wollen. Sie beschreibt die übergreifenden Grundsätze, nach denen ich die Studien des Lübecker KI-Monitors konzipiere, durchführe und dokumentiere. Die studienspezifischen Festlegungen, also Prompt-Wortlaute, Abfrage- und Wiederholungspläne, Codierregeln und Ergebnisse, stehen auf der jeweiligen Studienseite.
Welche dieser Festlegungen für eine konkrete Studie bereits vor Beginn ihrer Datenerhebung galten, ergibt sich ausschließlich aus dem jeweiligen Studienprotokoll. Ein Teil der hier beschriebenen Standards ist erst im Verlauf des Monitors entstanden. Spätere Fassungen dieser Seite gelten daher nicht rückwirkend für bereits abgeschlossene Erhebungen. Jede relevante Änderung erhält eine neue Fassungsnummer.
Gegenstand und Aussagegrenze
Der Lübecker KI-Monitor untersucht Sprachmodelle als von außen beobachtbare probabilistische Systeme. Gegenstand sind ihre Ausgaben unter dokumentierten Bedingungen. Nicht untersucht werden Modellgewichte, interne Repräsentationen, Attention-Strukturen oder andere nicht zugängliche Komponenten der verwendeten Modelle. Die Erhebungen sind damit keine Grundlagenforschung an Sprachmodellen. Die Datenerhebung erfolgt skriptgesteuert über dokumentierte API-Konfigurationen. Dabei werden die vollständigen Modellausgaben und die für die Auswertung erforderlichen Metadaten archiviert.
Gemessen wird
- beobachtbares Antwortverhalten unter definierten, protokollierten Bedingungen
- Nennungen, Reihenfolgen und Empfehlungen von Unternehmen, Institutionen oder Städten
- zitierte Quellen und die Nutzung der Websuche, sofern die API beides ausweist
- faktische Aussagen, wenn sich eine Vergleichsgrundlage definieren lässt
- die Variation zwischen wiederholten Abfragen, Erhebungstagen und Systemen
Nicht gemessen wird
- interne Modellkausalität, also warum ein Modell so antwortet
- Modellwissen als isolierte Größe, wenn die Websuche aktiv ist
- das Verhalten aller ChatGPT-Nutzer
- eine universelle „KI-Sichtbarkeit“ über alle Systeme und Kontexte hinweg
- eine kausale Wirkung von SEO- oder Marketingmaßnahmen, solange kein Experiment mit Intervention vorliegt
- die Qualität der untersuchten Anbieter, Institutionen oder Reiseziele
Begriffe und Beobachtungseinheiten
Fallzahlen wie „n = 240″ sind ohne Definition der Beobachtungseinheit nicht interpretierbar. Deswegen verwenden alle Studien des Monitors dieselben Begriffe:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Beobachtungseinheit | eine vollständige Antwort aus einem einzelnen API-Aufruf, archiviert im Wortlaut |
| Prompt | eine definierte Eingabe an das untersuchte System, deren Wortlaut und Zeitpunkt der Festlegung im jeweiligen Studienprotokoll dokumentiert werden |
| Zelle | eine definierte Kombination der Designfaktoren, z. B. Prompt bzw. Szenario, Sprache und System |
| Wiederholung | ein separater API-Aufruf derselben Zelle in einem neuen Kontext ohne vorherigen Gesprächsverlauf |
| Welle | eine Gruppe von Abfragen zu einem dokumentierten Zeitpunkt, in der Regel ein Erhebungstag |
| Zielentität | das Objekt, dessen Auftreten oder Position untersucht wird, je nach Studie z. B. eine Bank, eine Stiftung oder eine Stadt |
| Zielgröße | die Kennzahl, anhand derer die jeweilige Forschungsfrage ausgewertet wird, z. B. Nennungsquote, Top-3-Quote oder Erstempfehlungsquote |
Warum diese Trennung nötig ist, zeigt die Studie zur Weihnachtsstadt Lübeck. Sie umfasst 240 Abfragen je Messzyklus. Hinter dieser Zahl stehen allerdings keine 240 verschiedenen Stimuli. Abgefragt werden 24 Zellen (sechs Szenarien in vier Sprachen), jede Zelle zehnmal, verteilt auf fünf Erhebungswellen an fünf verschiedenen Tagen. Die zehn Antworten derselben Zelle teilen Prompt, Sprache, Standortkontext und System, sie bilden also einen Cluster. Bei statistischen Aussagen werden sie deshalb nicht ohne Weiteres wie zehn vollständig unabhängige Beobachtungen behandelt.
Technische Messbedingungen
Die Konfiguration eines API-Aufrufs kann beeinflussen, welche Antwort ein Sprachmodell erzeugt. Für jede Studie werden deswegen die für die Messung relevanten technischen Parameter dokumentiert. Für Studien, die nach dieser Methodikfassung beginnen, gilt die folgende Liste vollständig. Bei älteren Untersuchungen gilt der tatsächlich im jeweiligen Studienprotokoll dokumentierte Stand.
| Parameter | Was dokumentiert wird |
|---|---|
| Anbieter und Schnittstelle | Anbieter und der genaue API-Endpunkt, etwa die OpenAI Responses API oder die Gemini API |
| Modellkennung | der exakte Bezeichner, den der Aufruf verwendet, samt der Angabe, ob es sich um einen Alias oder einen fixierten Snapshot handelt |
| Zeitpunkt | Datum und Uhrzeit je Abfrage einschließlich Zeitzone, dazu das Erhebungsfenster der Studie |
| Websuche und Tools | aktiviert bzw. deaktiviert, die konkrete Tool-Konfiguration, die tatsächliche Nutzung je Abfrage |
| Standortkontext | gesetzte Parameter wie user_location je Zelle, statt eines Behelfs im Prompt-Wortlaut |
| Systemprompt und Ausgabeformat | Wortlaut eines Systemprompts bzw. sein Fehlen, Formatvorgaben und Structured Output, sofern verwendet |
| Sampling und Reasoning | gesetzte Parameter wie Temperature oder Reasoning-Stufe, soweit die Schnittstelle sie anbietet, samt Begründung der Wahl |
| Ausgabelimit | eine maximale Ausgabelänge, falls gesetzt |
| Kontextführung | jede Abfrage in einem neuen Kontext ohne vorherigen Gesprächsverlauf, Abweichungen würden ausgewiesen |
| Ablauf der Erhebung | Reihenfolge der Abfragen, Wartezeiten und eine etwaige Parallelisierung |
| Fehlerbehandlung | Regeln für Wiederholungsversuche und für den Ausschluss von Abfragen, verlorene Abfragen werden gezählt und berichtet |
| Messsoftware | das eigene Messskript je Studie, dessen Stand mit dem Studienprotokoll eingefroren wird |
Die konkreten Werte, etwa die verwendeten Modellkennungen, stehen im jeweiligen Studienprotokoll. Ob ein Modell für seine Antwort die Websuche nutzt, verändert die Interpretation grundlegend, denn dann fließen aktuelle Suchergebnisse als Kontext ein und das Modellwissen ist nicht mehr isoliert messbar. Deswegen wird die Websuche-Nutzung je Abfrage erfasst, je Prompt ausgewertet und in der jeweiligen Studie berichtet.
Die API reproduziert die öffentlich zugängliche Chat-Oberfläche nicht vollständig. In der API lassen sich Modell und technische Parameter gezielt festlegen, während die Consumer-Anwendung zusätzliche Produktkonfigurationen und je nach Tarif andere Modelle oder Einstellungen verwenden kann. Alle Ergebnisse werden deswegen ausdrücklich als Messungen der dokumentierten API-Konfiguration berichtet und nicht als identische Reproduktion jeder möglichen Nutzung der Chat-Anwendung. Ob eine Studie zusätzlich einen Vergleich mit der Consumer-Oberfläche enthält, legt ihr Studienprotokoll fest. In diesem Fall werden auch das Vergleichskriterium, die Zahl der Vergleichsabfragen und das verwendete Auswertungsverfahren vorab beschrieben.
Wiederholungen und zeitliche Verteilung
Generative Sprachmodelle können bei identischen Eingaben unterschiedliche Ausgaben erzeugen. Eine einzelne Ausgabe behandle ich deswegen als eine einzelne Beobachtung, nie als „die Antwort“ des Systems. Für Zielgrößen wie Nennungs- oder Erstempfehlungsquoten werden definierte Zellen wiederholt abgefragt.
Doch wie viele Wiederholungen sind nötig? Bei binären Zielgrößen wie einer Nennung beeinflusst die Zahl der Beobachtungen unmittelbar die Präzision des geschätzten Anteils. Wie viele Wiederholungen sinnvoll sind, hängt allerdings nicht allein von der gewünschten Breite eines Konfidenzintervalls ab. Zusätzlich sind die Zahl der Zellen, die wiederholten Messungen innerhalb derselben Zelle und die geplanten Vergleiche zu berücksichtigen. Die Zahl der Wiederholungen wird deswegen studienspezifisch festgelegt und begründet. Dokumentiert wird dabei nicht nur die Gesamtzahl der Antworten, sondern auch deren Verteilung auf Prompts, Systeme, Sprachen und Wellen, und die statistische Aussagekraft wird anschließend für das jeweilige Design beurteilt. In der Bankenstudie Lübeck waren beispielsweise für jeden der sechs Leitprompts je System 100 Antworten vorgesehen, während die Erweiterungsprompts mit geringerer Wiederholungszahl erhoben und getrennt ausgewertet wurden. Pretests dienen ausschließlich der Kalibrierung des Designs und gehen nie in die berichteten Quoten ein.
Zeitliche Verteilung der Wiederholungen
Wiederholungen innerhalb eines kurzen Zeitfensters erfassen vor allem die Variation des Systems unter annähernd konstanten zeitlichen Bedingungen. Da sich Modellverhalten, Suchergebnisse und andere externe Bedingungen über die Zeit verändern können, verteile ich Wiederholungen bei geeigneten Studien zusätzlich auf mehrere Erhebungstage. Dadurch lässt sich beobachten, ob sich die gemessenen Anteile zwischen einzelnen Erhebungstagen verändern.
Umgang mit der Clusterstruktur
Wiederholungen derselben Zelle teilen wesentliche Designfaktoren und werden deshalb nicht automatisch als vollständig unabhängige Beobachtungen behandelt. Wird für eine Untersuchung ein Designeffekt oder ein anderes clusterberücksichtigendes Unsicherheitsmaß berechnet, beschreibt das jeweilige Studienprotokoll das Verfahren und die zugrunde liegende Clustereinheit. Werden hingegen nur unadjustierte Intervalle berichtet, wird dies ausdrücklich angegeben und die Interpretation entsprechend begrenzt.
Vorabfestlegungen und Änderungen
Was stand vor der ersten Abfrage fest, und was entstand erst nach Sichtung der Daten? Jede Studie beantwortet diese Frage ausdrücklich und unterscheidet drei Ebenen. Vorab festgelegt sind Zielgrößen, Prompt-Wortlaute, Codierregeln und Entscheidungskriterien, die vor der ersten für sie relevanten Datenerhebung dokumentiert wurden. Explorativ sind Auswertungen desselben Datensatzes, deren Fragestellung oder Auswertungsweg erst nach Sichtung der Daten entstanden ist, etwa die beschreibende Analyse von Begründungs-Attributen. Solche Auswertungen werden ausdrücklich als explorativ gekennzeichnet und nicht so dargestellt, als seien sie bereits Bestandteil des ursprünglichen Designs gewesen. Folgeanalysen sind zusätzliche Untersuchungen oder neue Messungen, die aus den Ergebnissen einer bestehenden Studie entstehen, auch sie werden getrennt vom ursprünglichen Untersuchungsdesign berichtet. Alle drei Ebenen können innerhalb eines Projekts nebeneinander vorkommen. Entscheidend ist, dass aus der Veröffentlichung hervorgeht, zu welchem Zeitpunkt eine Fragestellung oder Auswertung festgelegt wurde.
Die vorab festgelegten Bestandteile werden vor Erhebungsbeginn eingefroren. Hierzu gehören die Szenario- bzw. Prompt-Dateien und das Messskript, jeweils mit SHA-256-Prüfsumme im Studienprotokoll. Die eingefrorenen Dateien selbst werden nach Beginn der Erhebung nicht verändert. Werden technische Ergänzungen, zusätzliche Auswertungen oder andere Erweiterungen notwendig, erfolgen sie getrennt vom eingefrorenen Ausgangsstand und werden mit Datum und Grund im Studienprotokoll dokumentiert. Muss eine eingefrorene Datei ausnahmsweise doch verändert werden, entsteht hieraus eine neue Version, und die Abweichung vom ursprünglichen Design wird ausdrücklich ausgewiesen.
Eine SHA-256-Prüfsumme ermöglicht die spätere Prüfung, ob eine Datei mit dem zuvor dokumentierten Dateistand übereinstimmt. Eine lokal gespeicherte Prüfsumme belegt für sich genommen allerdings nicht, zu welchem Zeitpunkt dieser Dateistand erstmals vorlag, denn dazu wäre zusätzlich ein extern überprüfbarer Zeitstempel erforderlich. Ich bezeichne diese Verfahren deswegen als lokal eingefrorene Studienprotokolle und nicht als formale Präregistrierung im Sinne von OSF Registrations oder vergleichbaren Registrierungsdiensten. Für künftige Studien plane ich eine externe, zeitgestempelte Registrierung des Studiendesigns, damit diese Lücke entfällt.
Änderungs- und Abweichungsprotokoll
Werden während einer laufenden Erhebung technische oder methodische Änderungen notwendig, dokumentiert das jeweilige Studienprotokoll Zeitpunkt, Grund und möglichen Einfluss auf die Auswertung, nach diesem Muster:
| Datum | Abweichung | Grund | Einfluss auf die Auswertung |
|---|---|---|---|
| 15.08.2026 | Vorprüfung der Wellenzählung ergänzt (Weihnachtsstadt-Studie) | Ein Abbruch vor der ersten gespeicherten Antwort hätte einen leeren Wellenordner hinterlassen können, den die automatische Zählung als erhobene Welle gewertet hätte. | keiner, betroffen ist ausschließlich die Ablaufsteuerung, nicht die eingefrorenen Wortlaute, die erhobenen Antworten oder die Auswertungsregeln |
Das Protokoll hält außerdem fest, ob eine Änderung die Auswertung beeinflusst. So bleibt beispielsweise erkennbar, ob lediglich die technische Ablaufsteuerung korrigiert oder nach Sichtung der Daten eine methodische Festlegung verändert wurde. Auch Korrekturen eigener Fehleinschätzungen stehen dort, in der Bankenstudie etwa die Korrektur der Kostenschätzung und eines Auswertungsfehlers bei gemeinsam ausgewerteten Prompt-Blöcken.
Extraktion, Codierung und Validierung
Zwischen der rohen Modellantwort und einer berichteten Quote liegen mehrere Verarbeitungsstufen. Jede Studie dokumentiert diese Pipeline vollständig:
Die Rohantwort ist die unveränderte Modellausgabe, sie wird im Wortlaut archiviert. Die Extraktion gewinnt aus dem Fließtext die genannten Zielentitäten samt Position. Die Normalisierung führt Namensvarianten zusammen, sodass etwa der Lübecker Weihnachtsmarkt der Stadt Lübeck zugeordnet wird. Die Codierung wendet die vorab festgelegten Regeln an, die z. B. entscheiden, was als Erstempfehlung gilt. Und die Validierung beziffert, wie zuverlässig diese Schritte arbeiten.
Zwei Extraktionsverfahren
Ist die Menge der Zielentitäten geschlossen und vorab bekannt, wie bei den elf Lübecker Bankinstituten, läuft die Codierung über einen festen String-Abgleich gegen eine eingefrorene Variantenliste. Bei identischer Rohantwort und identischer Variantenliste liefert diese Codierung dasselbe Ergebnis. Sie ist damit deterministisch und fügt der bereits variablen Modellausgabe keine zusätzliche modellbasierte Extraktionsvarianz hinzu. Ist die Menge hingegen offen, wie bei den Städtenennungen der Weihnachtsstadt-Studie, extrahiert ein zweites Sprachmodell die Nennungen in strukturierter Form. Jede solche Zuordnung führt ein wörtliches Zitat aus der Antwort als Beleg mit, und unbekannte Namen laufen als offene Fälle auf, die vor der Auswertung von Hand zugeordnet werden.
Wird für die Extraktion erneut ein Sprachmodell eingesetzt, werden auch dessen Modellkennung, Prompt, Konfiguration und Ausgabeschema dokumentiert. Seine Ausgabe gilt dabei nicht als Ground Truth, sondern als automatisierter Verarbeitungsschritt, dessen Übereinstimmung mit einer manuellen Codierung geprüft wird. Den Umfang dieser manuellen Kontrollcodierung legt das jeweilige Studienprotokoll vorab fest, berichtet werden die Größe der Kontrollstichprobe und das verwendete Übereinstimmungsmaß. In der Bankenstudie deckte bereits der Pretest einen Fehler im String-Abgleich auf: Die Formulierung „Volks-/Raiffeisenbank“ wurde über das Muster raiffeisenbank fälschlich als Umlandinstitut codiert. Der Fehler wurde vor der Haupterhebung behoben und ist im Studienprotokoll dokumentiert.
Referenzdaten für Faktenprüfungen
Untersucht eine Studie die sachliche Richtigkeit von KI-Antworten, wird zusätzlich festgelegt, anhand welcher Quellen eine Aussage als richtig, falsch oder nicht überprüfbar codiert wird. Das Studienprotokoll dokumentiert dazu den relevanten Stichtag, die verwendete Quellenhierarchie und den Umgang mit widersprüchlichen oder fehlenden Angaben. Bevorzugt werden Primärquellen der jeweils zuständigen Organisation, beispielsweise die Website eines Museums für dessen Öffnungszeiten.
Eine fehlende Information wird dabei nicht automatisch als falsche KI-Aussage gewertet. Lässt sich für eine Behauptung keine ausreichend belastbare Vergleichsgrundlage herstellen, wird sie als nicht überprüfbar behandelt und getrennt ausgewiesen. Nach diesem Prinzip arbeitet etwa die Studie zur KI-Reiseplanung in Lübeck, die Angaben aus KI-generierten Reiseplänen gegen die Websites der genannten Orte und Einrichtungen prüft.
Statistische Auswertung
Berichtet wird das Verfahren, das tatsächlich verwendet wurde, mit seinen Grenzen. Konkret heißt das:
- Für Anteilswerte werden eine Punktschätzung und ein 95-%-Unsicherheitsintervall berichtet. Bei binären Anteilen dient das sogenannte Wilson-Intervall als Ausgangspunkt. Werden Antworten innerhalb derselben Zellen wiederholt erhoben, wird zusätzlich ausgewiesen, ob und mit welchem Verfahren diese Clusterstruktur bei der Unsicherheitsschätzung berücksichtigt wurde.
- Für einzelne Studien werden vorab konservative Entscheidungsregeln definiert. In der Weihnachtsstadt-Erhebung gilt ein Unterschied beispielsweise erst dann als „klar bestätigt“, wenn sich die Unsicherheitsintervalle des Erst- und des Zweitplatzierten nicht überschneiden. Eine solche Regel ist Bestandteil des Studiendesigns und ersetzt keinen Signifikanztest, denn auch bei überlappenden 95-%-Konfidenzintervallen kann ein statistisch nachweisbarer Unterschied vorliegen.
- Die bisherigen Untersuchungen sind überwiegend deskriptiv angelegt. Inferenzstatistische Tests werden nur eingesetzt, wenn Forschungsfrage, Design und Fallzahl dies sinnvoll zulassen. Andernfalls beschränke ich mich auf Anteile, Effektgrößen und Unsicherheitsintervalle und kennzeichne entsprechende Vergleiche als deskriptiv.
- Technische Fehlversuche werden protokolliert. Das jeweilige Studienprotokoll legt fest, unter welchen Bedingungen ein Aufruf erneut versucht, eine einzelne Zelle nachgeholt oder ein technisch gestörter Messlauf verworfen wird. Nachgeholte oder ausgeschlossene Abfragen bleiben in den technischen Protokollen erkennbar.
- Das jeweilige Studienprotokoll legt außerdem vor Beginn der Auswertung fest, wann eine technisch erzeugte Antwort als gültig, ungültig oder nicht auswertbar gilt, etwa bei leeren Ausgaben, verweigerten Antworten oder falscher Antwortsprache. Ausschlüsse werden mit ihrem Grund protokolliert, sodass aus der veröffentlichten Fallzahl hervorgeht, wie viele Abfragen geplant, technisch erfolgreich und tatsächlich ausgewertet wurden.
- Auswertungsblöcke bleiben getrennt. Kontroll- und Markenprompts, die eine Nennung per Konstruktion erzeugen, werden nie mit den offenen Prompts verrechnet.
Reproduzierbarkeit und Forschungsdaten
Bei meinen Erhebungen ist zwischen einem reproduzierbaren Verfahren und einem identisch reproduzierbaren Ergebnis zu unterscheiden. Eine identische Reproduktion einzelner Ausgaben zu einem späteren Zeitpunkt ist bei proprietären, fortlaufend aktualisierten und probabilistischen Modellen grundsätzlich nur eingeschränkt möglich.
Ziel der Dokumentation ist deswegen die Reproduzierbarkeit des Verfahrens und die Nachprüfbarkeit der zum Erhebungszeitpunkt beobachteten Ausgaben. Hierfür werden die vollständigen Rohantworten archiviert, zusammen mit Modellkennung, Konfiguration und Zeitpunkt jeder einzelnen Abfrage. Jede berichtete Zahl lässt sich so auf die Rohdaten zurückrechnen, auch wenn sich das Modell längst verändert hat. Eine spätere Wiederholung kann deshalb trotz identischer dokumentierter Vorgehensweise andere Modellantworten erzeugen.
Veröffentlichte Studienmaterialien
Die Studienseiten dokumentieren mindestens Forschungsfrage, verwendete Prompts bzw. Szenarien, Messbedingungen, Auswertungsregeln, Änderungen und Grenzen der Aussagekraft. Bei abgeschlossenen Untersuchungen werden darüber hinaus die für eine Nachprüfung notwendigen Roh- und Auswertungsdaten veröffentlicht, soweit dem keine rechtlichen oder datenschutzbezogenen Gründe entgegenstehen.
Auf dieser Website veröffentliche und erläutere ich die einzelnen Untersuchungen. Für eine dauerhafte wissenschaftliche Archivierung ist eine persönliche Website allerdings nur eingeschränkt geeignet. Künftig sollen eingefrorene Datensätze und Auswertungsskripte deswegen zusätzlich in einem persistenten Forschungsrepositorium mit dauerhafter Kennung archiviert werden. Sobald diese Bausteine stehen, verlinkt sie die jeweilige Studienseite.
Methodische Fragen und Grenzen
Zu den naheliegenden methodischen Fragen gehören:
Sind wiederholte Antworten unabhängige Beobachtungen?
Ihre vollständige statistische Unabhängigkeit wird nicht vorausgesetzt, denn Antworten derselben Zelle teilen wesentliche Designfaktoren. Jede Studie legt deswegen offen, wie sich die Abfragen auf Zellen und Wellen verteilen und ob bzw. wie diese Clusterstruktur bei statistischen Aussagen berücksichtigt wird.
Entsprechen API-Antworten der Chat-Oberfläche?
Vollständig entsprechen sie ihr nicht. Gemessen wird die jeweils dokumentierte API-Konfiguration, und Aussagen werden ohne zusätzliche Validierung nicht auf jede Nutzung der Consumer-Anwendung übertragen.
Lassen sich aus Sichtbarkeitsunterschieden SEO-Maßnahmen ableiten?
Die Erhebungen können Zusammenhänge und wiederkehrende Muster sichtbar machen. Eine kausale Wirkung einzelner Marketingmaßnahmen lässt sich hieraus allerdings erst dann ableiten, wenn diese Maßnahmen selbst Bestandteil eines geeigneten Interventionsdesigns sind.
Gelten die Ergebnisse auch in sechs Monaten noch?
Das lässt sich nicht voraussetzen. Modelle, Suchergebnisse und weitere technische Bedingungen können sich in diesem Zeitraum verändern. Jede Studie beschreibt deshalb einen dokumentierten Messzeitraum, und spätere Nachmessungen werden als eigene Messzeitpunkte ausgewiesen, nie stillschweigend in die ursprünglichen Kennzahlen einbezogen.
Interessenkonflikt
Ich arbeite hauptberuflich in der Suchmaschinenoptimierung. Der Lübecker KI-Monitor ist davon organisatorisch getrennt, denn die Erhebungen sind meine privaten, eigenfinanzierten Projekte und keine Projekte meines Arbeitgebers. Die untersuchten Unternehmen, Institutionen und Organisationen haben die Studien weder beauftragt noch finanziert. Eine etwaige Vorabkenntnis oder Beteiligung würde in der jeweiligen Studie ausdrücklich offengelegt.
Die laufenden und abgeschlossenen Erhebungen samt ihren studienspezifischen Protokollen versammelt die Übersichtsseite des Lübecker KI-Monitors. Methodische Rückfragen und begründete Kritik sind ausdrücklich willkommen und erreichen mich unter kontakt@patrickstolp.de. Führen Hinweise zu einer Korrektur oder Änderung einer laufenden Untersuchung, wird dies im jeweiligen Studienprotokoll dokumentiert.
Versionshistorie dieser Methodikseite
- 1.0 · 21.08.2026 Erstfassung der übergreifenden Methodik des Lübecker KI-Monitors. Für Studien, die vor diesem Datum begonnen wurden, bleibt das jeweilige Studienprotokoll maßgeblich.